Reizdarm und Fehlbesiedlung– leicht zu verwechseln

 
 

Wenn sich der Bauch wie ein Ballon anfühlt, ist einem leider meist nicht zum Fliegen zu Mute. Von den Gefühlen, Schmerzen und Beschwerden, die zu viel Luft im Oberbaucht macht, können Reizdarmpatienten ein trauriges Lied singen. Schließlich gehört die übermäßige Produktion von Gasen zu den Leitsymptomen es Reizdarms. Ob die Ursache für die Gasbildung tatsächlich ein Reizdarmsyndrom (RDS) ist, hängt allerdings auch ganz stark davon ab, wo die Gase entstehen. Vor allem, wenn sich die Luft im Oberbauch – also im Bereich von Dünndarm und Magen – bildet, kann auch eine Fehlbesiedlung des Dünndarms der Grund sein. Falls sich im Rahmen der Diagnose herausstellt, dass tatsächlich eine Fehlbesiedlung die Ursache ist, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Therapie recht gut.

Blähbauch
 
 
 

 
 

Wenn Bakterien am falschen Platz wohnen

Von einer Dünndarmfehlbesiedlung, auch SIBO (Small intestinal bacterial overgrowth) genannt, spricht man, wenn die der Dünndarm mit Bakterien besiedelt ist, die dort eigentlich nicht ansässig sind. Meistens stammen solche Bakterien, die in den Dünndarm wandern, aus dem Dickdarm, der ihre normale ‚Heimat‘ ist. Gelangen Dickdarmbakterien in den Dünndarm, leben sie dort wie im ‚Schlaraffenland‘. Je weiter es die Bakterien im Dünndarm nach oben schaffen, desto mehr unverdaute oder halb verdaute Kohlenhydrate finden sie vor, die die Bakterien als Nahrung nutzen – verbunden mit entsprechender bakterieller Abgas-Produktion. Die entstehenden Gase können im Unterschied zu denen im Dickdarm zum großen Teil nicht nach unten – also als Blähung entweiche. Die Folge ist ein aufgeblähter Bauch mit Gasen im Dünndarm, die teilweise auch durch den Magen entweichen (z. T. heftiges und andauerndes Aufstoßen). Die Luftansammlungen im Oberbauch, oft verbunden mit Schmerzen, Völlegefühl und Reflux gehören sind demnach die Leitsymptome der Fehlbesiedlung.

 
 

Fehlbesiedlung – schwieriger Nachweis

In der Regel bringt ein sorgfältig durchgeführter Atemtest nach einer gründlichen Anamnese der Basis-Symptome Aufschluss darüber, ob eine Fehlbesiedlung vorliegt. Ein solcher Atemtest wird gleichzeitig eventuell parallel vorliegende Unverträglichkeiten auf bestimmte Zucker (Kohlenhydrate) aufdecken. Dabei ist ratsam, den Test von einem Arzt vornehmen zu lassen, der Erfahrung mit Atemtests hat. Wenn die Ergebnisse nicht eindeutig sind, bleibt noch die Möglichkeit einer Dünndarmspiegelung. Dabei werden Gewebeproben entnommen, um die Bakterien dann im Labor nachzuweisen. Da Verfahren für Patienten aufwändig, unangenehm und teuer ist und zudem ganz viele mögliche Fehlerquellen existieren, ist die Dünndarmspiegelung der Weisheit letzter Schluss, wenn nichts anderes Klarheit bringt – wobei auch die Spiegelung nicht mit einer Garantie für eine sichere Diagnose verbunden ist.


Therapie – was hilft?

Standardbehandlung bei Fehlbesiedlungen ist die Therapie mit einem Antibiotikum. In der Regel wird Rifamixin verordnet – ein Antibiotikum, das ausschließlich im Darm wirksam ist und nicht vom Körper aufgenommen wird. Für eine Behandlung ist ein positiver Atemtest oder der Nachweis der Bakterien durch Dünndarmspiegelung nach Meinung einiger Experten nicht zwingend notwendig, wenn eindeutige Symptome vorliegen. In Studien konnte gezeigt werden, dass viele Patienten in den ersten Wochen nach der Einnahme von einem Nachlassen der Beschwerden berichteten – wobei man einen Placebo-Effekt weitgehend ausschließen konnte: Die Wirksamkeit von Rifaximin lag eindeutig über der Einnahme eines nichtwirksamen Placebo-Präparates. Probiotika wirken sich ebenfalls günstig auf die Bakterienverhältnisse aus und können deshalb unterstützend eingenommen werden. Neue Studien konnten zeigen, dass eine individuell zusammengestellte Kombination pflanzlicher Präparate eine ebenso gute Wirksamkeit wie Rifaximin haben kann. Verwendet wurden bei diesen Studien Präparate, in denen Pfefferminzöl, Knoblauch (Allicin), Neemöl, Sauerdornbitter (Berberine), Oreganoöl und Wermut enthalten war.

 

Reizdarm und Fehlbesiedlung: Entweder – Oder?

Hat man entweder Reizdarm oder Fehlbesiedlung – oder kommen beide Krankheiten gemeinsam vor? Klar ist, dass Patienten von beiden Erkrankungen gleichzeitig betroffen sein könnten. Damit ist allerdings das Ende der Klarheit schon fast erreicht. Bei Patienten mit RDS vom Durchfall-Typ tritt eine Dünndarmfehlbesiedlung relativ häufig auf. Bei ca. der Hälfte aller RDS-Betroffenen liegt ein positiver Atemtest vor. Grundsätzlich gilt allerdings, dass bei RDS-Beschwerden wie Blähbauch, Blähungen, Schmerzen und Durchfall nicht automatisch davon ausgegangen werden kann, dass eine bakterielle Fehlbesiedlung mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegt. Wie bei so Vielem rund um den Reizdarm bleibt also auch hier abzuwarten, was künftige Forschung an Erkenntnissen bringt.

Dr. Friedhelm Mühleib

 
 

 
 

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