Empfindlicher Darm? Vorsicht mit Emulgatoren!

 
 

Emulgatoren aus industriell gefertigten Nahrungsmitteln könnten mitverantwortlich für eine ungünstig veränderte Darmflora und die Entstehung einer ganzen Reihe von Darmerkrankungen sein. Darauf deuten verschiedene Forschungsergebnisse aus der letzten Zeit hin. Für den Einsatz künstlicher Emulgatoren in industriell hergestellten Lebensmittel gibt es viele Gründe: Sie sorgen u. a. für cremige Konsistenz, eine frische Optik, Volumen und lange Haltbarkeit bei vielen Fertigprodukten – kurzum: sie steigern unseren Genuss. Jetzt stehen einige dieser künstlichen Emulgatoren im Verdacht, der Darmgesundheit zu schaden. Die Hinweise mehren sich, dass künstliche Emulgatoren die Darmbarriere und die Darmflora bzw. das Mikrobiom pathologisch verändern. Mediziner gehen davon aus, dass die Emulgatoren an der Entstehung einer ganzen Reihe von Erkrankungen des Darms – vom Reizdarm über die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis hin zum Darmkrebs beteiligt sein könnten.

In Schokolade wird meist natürliches Sojalecithin, das als gesundheitlich unbedenklich gilt, als Emulgatoren für den zarten, cremigen Schmelz verwendet.
In Schokolade wird meist natürliches Sojalecithin, das als gesundheitlich unbedenklich gilt, als Emulgatoren für den zarten, cremigen Schmelz verwendet.
 
 
 

 
 

Wozu braucht man Emulgatoren?

Wir kennen es aus der Suppenküche: Wasser und Fett vermischen sich nicht - das Fett schwimmt immer oben. Emulgatoren lösen dieses Problem: Es handelt sich dabei um Stoffe, die eigentlich nicht miteinander mischbare Komponenten in eine stabile Verbindung bringen. Emulgatoren ermöglichen das überall, wo z. B. bei Desserts, Soßen, Suppen, Dressings, Mayonnaisen, Backwaren, Schokolade und anderen Fertigprodukten eine beständig softe, cremige, sämige, schaumige Konsistenz erzeugt werden soll. Was sind das für Substanzen, die das können? Sie bestehen aus chemischer Sicht in der Regel aus zwei Teilen, einem fettliebenden (lipophilen) und einem wasserliebenden (hydrophilen) Teil. So binden Emulgatormoleküle z. B. gleichzeitig Fett und Wasser an sich - und fertig ist die Emulsion.

 
 

Wie schädlich sind Emulgatoren

Grundsätzlich ist zwischen natürlichen und künstlichen Emulgatoren zu unterscheiden. So sind z. B. auch einige natürliche Lebensmittel wie Milch oder Sahne Emulsionen. Das ist dem natürlichen Emulgator Lecithin zu verdanken, der Bestandteil der Milch ist. Lecithine sind Bestandteile der Zellmembran tierischer und pflanzlicher Lebewesen. In der Lebensmittelindustrie wird Lecithin u. a. aus Sojabohnen, Rapssaat, Erdnüssen, Sonnenblumenkerne oder Hühnereiern gewonnen und bei der Herstellung der verschiedensten Lebensmittel vielfältig eingesetzt – etwa bei der Herstellung von Margarine, als Hilfsstoff bei der Herstellung von Backwaren oder in der Produktion von Schokolade. Lecithin und andere natürliche Emulgatoren wie Pektin, Zuckerglyceride oder Mono- und Diglyceride von Speisefetsäuren gelten als gesundheitlich unbedenklich. Daneben verfügt die moderne Lebensmitteltechnologie inzwischen über eine breite Palette von künstlichen, industriell hergestellten Emulgatoren, die bei der Herstellung von Fertignahrungsmitteln eingesetzt werden, und von denen auch mögliche negative Wirkungen auf die Gesundheit bekannt sind. Dazu gehören z.B. Diphosphate und Polyphosphate, die sehr häufig verwendet werden. Diphosphate stehen im Verdacht Knochenschwund, Nierenschwäche, Arterienverkalkung, Hautalterung zu verstärken, sowie die Calcium- und Magnesiumaufnahme zu behindern und können bei Kindern Aufmerksamkeitsstörungen hervorrufen. Polyphosphate können allergische Reaktionen hervorrufen.

Was haben Emulgatoren mit Darmkrankheiten zu tun?

Bereits im Jahr 2015 konnten Forscher an der Georgia State University in Atlanta im Tierversuch mit den Emulgatoren Polysorbat ( wird oft in Eiscreme verwendet) und Carboxymethylcellulose ( Verwendung u. a. bei Saucen, Gelees, Fruchtmassen) zeigen, dass die Substanzen bei Mäusen eine chronische Darmentzündung, Übergewicht und Anzeichen eines metabolischen Syndroms wie Insulinresistenz und Glucose-Intoleranz auslösen können. Hauptursache für die negativen Folgen sahen die Wissenschaftler in der Wirkung der Emulgatoren auf die Darmflora, in der die Zahl der entzündungsfördernden Bakterien stark zunahm. Bei Reizdarm-, CED und Darmkrebspatienten sind schwache Entzündungszustände im Darm überdurchschnittlich häufig. Das veranlasste die Forscher zu der Vermutung, dass der weit verbreitete Gebrauch von Emulgatoren in Lebensmitteln ein Faktor sein könnte, der an der Zunahme chronisch entzündlicher Erkrankungen beteiligt ist. Nun untersuchten die Forscher in einem ähnlichen Experiment mit denselben Substanzen (..von denen bisher keine schädlichen Nebenwirkungen bekannt waren), ob dadurch das Darmkrebsrisiko beeinflusst wird. Auch in der neuen Studie kam es zu einer Veränderung der Zusammensetzung der Darmbakterien, die zu einem Anstieg der entzüngungsförderndern bakteriellen Substanzen führte. Dies scheint ein für die Krebsentwicklung günstiges Klima zu schaffen, denn die mit Emulgatoren behandelten Tiere entwickelten mehr und größere Tumoren als die Kontrolltiere

 

Emulgatoren besser meiden

Ob entsprechende Prozesse auch beim Menschen stattfinden, ist bislang unklar. Dr. Matthias Riedl, Diabetologe, Ernährungsmediziner, Internist und ärztlicher Leiter – Geschäftsführer am medicum Hamburg – rät grundsätzlich zur Vorsicht: „Ich empfehle meinen Patienten, auf Produkte, die künstliche Emulgatoren enthalten, zu verzichten und versuche auch selbst, sie zu meiden, wo immer dies möglich ist. Im Zweifel sollte man lieber auf ein Produkt verzichten und stattdessen nicht prozessierte Nahrungsmittel essen.“ Und wie erkennt man, ob ein Produkt Emulgatoren enthält? Emulgatoren gehören zu den Lebensmittelzusatzstoffen, die einer Zulassung bedürfen und in der Zutatenliste deklariert werden müssen. Für jeden zugelassenen Emulgator gibt es eine E-Nummer. Die Zutatenliste von Produkten, die entsprechende Substanzen enthalten, muss den Begriff ‚Emulgator‘ und die chemischen Bezeichnung oder die E-Nummer enthalten – z. B. „Emulgator Sojalecithin“ oder „Emulgator E 322 (aus Soja)“. Eine Zulassung wird nur erteilt, wenn keine Gesundheitsrisiken bestehen, wenn der Zusatzstoff technisch notwendig ist und wenn die Verwendung nicht zu einer Täuschung des Verbrauchers führt. Das schließt allerdings nicht völlig aus, dass Substanzen Nebenwirkungen haben, die z. B. noch nicht bekannt oder erforscht sind.

Dr. Friedhelm Mühleib

 
 

 
 

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