Blähungen: nur lästig oder gefährlich?

 
 

Blähungen gehören zu den häufigsten und gleichzeitig unangenehmsten Begleiterscheinungen eines Reizdarmsyndroms (RDS). Dass die Gase aus dem Darm für viele Betroffene ein Tabuthema sind, macht das Problem nicht leichter. Über Blähungen redet man nicht. Noch nicht einmal mit seinem Arzt – es sei denn, dass es ganz schlimm wird. Wer allerdings ständig von Blähbauch (Meteorismus), Völlegefühl und Rumoren im Darm geplagt wird und das Gefühl nicht mehr los wird, dass mit dem Bauch etwas nicht stimmt, der muss seine Scheu ablegen und in jedem Fall mit dem Arzt darüber reden. Schließlich ist die Lösung oft einfacher, als man denkt: Häufig handelt es sich nur um ein Ernährungsproblem, das sich mit diätetischen Maßnahmen gut in den Griff bekommen lässt. Gasbildung im Darm ist an sich meist nicht gefährlich. In der Regel ist sie ein Symptom – und weist dadurch auf entsprechende Grunderkrankungen hin. Für den Arzt kann das ein wichtiges diagnostisches Merkmal und Anhaltspunkt auf der Suche nach Störungen im Magen-Darm-Trakt sein.

Blähungen
 
 
 

 
 

So entstehen die Gase im Darm

Unser Darm ist im Grunde ein Bioreaktor im Miniaturformat, der die Nahrung in ihre Bestandteile zerlegt, um diese in unseren Körper aufzunehmen. Das geschieht im Rahmen chemischer Prozesse, bei denen natürlicherweise Gas entsteht: Es bildet sich ein Mix aus Kohlendioxid (CO2), Wasserstoff, Stickstoff, Methan, Ammoniak, Schwefel und anderen Gärungsprodukten (Geruchskomponenten!). Dem größten Teil dieser Gase bleibt nur ein Weg nach draußen: durch den Darm. Die Gase schaffen die Strecke in ca. einer halben Stunde. Zum Vergleich: Feste Nahrung braucht gut und gerne ein, zwei Tage, bis die Reste den Körper verlassen.

 
 

Wieviel ist normal?

Ab welcher Menge gelten Blähungen als krankhaft? "Normal ist eine Darmwind-Häufigkeit im Bereich von zehn bis 20 Mal pro Tag", sagt Professor Gerald Holtmann, Experte der Gastro-Liga. Windabgänge mit einer Häufigkeit von mehr als 20 bis 30 pro Tag sind ein Hinweis auf eine Störung der Verdauung. Wenn Blähungen mit starken Gerüchen einhergehen oder wenn sehr häufig und viel Darmgas austritt, deutet das auf eine Lebensmittelintoleranz oder andere Verdauungsstörung hin. Alternativ kann auch ein vermehrter bakterieller Abbau von Kohlenhydraten, Fetten oder Ballaststoffen durch Darmbakterien im Dickdarm die Ursache sein. Wenn sich große Luft- bzw. Gasmengen im Darm bilden, sodass dieser sich fühlbar aufbläht, an Volumen zunimmt und unter Umständen auch schmerzt, wird dies als Meteorismus bezeichnet.

Risikofaktor Ernährung

Die häufigsten Auslöser für massive Blähungen sind Lebensmittel, die als „schwer verdaulich“ gelten und die von Menschen mit empfindlichem Darm oder „schwacher“ Verdauung schlecht vertragen werden – wobei sich die schlechte Verträglichkeit vor allem in der starken Gasbildung bemerkbar macht. Der Düsseldorfer Oecotrophologe und ErnährungstherapeutKrisztian Mark Koczor erläutert: „Sehr häufig sind es schwer bzw. kaum verdauliche oder sogar gänzlich unverdauliche Kohlenhydrate, die nicht vertragen werden, darunter z.B. unlösliche Ballaststoffe, die unter anderem in Vollkorngetreideprodukten, Obst und Gemüse vorkommen. Auch lösliche Ballaststoffe in Kohlgemüse, Zwiebelgemüse und Hülsenfrüchten oder (resistente) Stärke in Cornflakes, altbackenem Brot, Kartoffelsalat oder Nudelsalat, fallen in diese Kategorie.“ Allerdings können auch sehr leicht verdauliche Kohlenhydrate problematisch sein, so Koczor - vor allem wenn zu viel davon gegessen wird. Dazu gehören neben dem Haushaltszucker Stärke aus frisch zubereiteten Weißmehlprodukten, Lactose aus Milchprodukten, Fruchtzucker und Zuckeralkohole aus Obst, insbesondere aus Trockenobst, da sie hier in konzentrierter Form vorliegen. Aber auch ein „zu viel“ an Eiweiß sowie eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann demnach Auslöser für die Entstehung von Blähungen werden.

 

Oft sind auch „böse“ Bakterien schuld

Geraten die Milliarden von Darmbakterien – auch Mikrobiom genannt – aus ihrem Gleichgewicht, kann auch das zu enormer Gasbildung führen. Das kann z.B. passieren, wenn krankheitserregende Bakterien und Pilze, überhand nehmen und es dadurch zu einer so genannten Dysbiose – einem Ungleichgewicht zwischen „guten“ und „bösen“ Bakterien kommt. Aus der großen Schar möglicher Auslöser einer solchen Dysbiose seien hier nur die vier wichtigsten genannt: ● Antibiotika: Sie gehören zu den wirksamsten Medikamenten, greifen aber auch unsere Darmbakterien an und können das Gleichgewicht massiv stören. ● Säureblocker: Eine große Menge der Medikamente gegen Reflux und Sodbrennen enthält Stoffe, die Säure binden oder unterdrücken und damit den pH-Wert des Verdauungstrakts verändern. In der Folge bekommen auch die Darmbakterien Probleme bzw. geraten aus dem Gleichgewicht. ● Falsche Ernährung: Die Art der Ernährung fördert das Wachstum der falschen Bakterien in Magen und Darm. Zu viel Zucker und zu viele kurzkettige Kohlehydrate können bestimmte Bakterien geradezu in einen Fressrausch versetzen und explosionsartige Vermehrung aktivieren. ● Zu wenig Ballaststoffe: Auch ein Mangel an Ballaststoffen bringt den Darm durcheinander.

Mit Prä- und Probiotika zum Gleichgewicht

Wer übrigens das Wachstum der „guten“ Bakterien im Darm fördern bzw. ein gestörtes Gleichgewicht wiederherstellen will, sollte in seiner Ernährung auf Prä- und Probiotika setzen: So enthalten u. a. Hafer, Blattgemüse, Knoblauch, Zwiebeln und Spargel präbiotisch wirkende Substanzen. Probiotische Joghurts sowie probiotisch wirkende, fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kohl und Kefir fördern nicht nur das Wachstum der Bakterien im Darm, sondern führen ihm gleichzeitig „gute“ Bakterien zu. Auch die Einnahme von Probiotika mit lebenden Bakterienstämmen in Form von Tabletten oder Pulver kann gute Dienste bei der Stabilisierung bzw. Wiederherstellung eines Mikrobioms im Gleichgewicht leisten .

Dr. Friedhelm Mühleib

 
 

 
 

● Die Website DARMDOC bietet viele nützliche Informationen zum Thema Blähungen.

● Einen sehr guten Überblick sowie viel Hintergrund zum Thema liefert der Beitrag der Apotheken Umschau

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