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Kann Hypnose bei Reizdarm helfen?

Die darmzentrierte Hypnose – auch unter dem Begriff Bauchhypnose bekannt – kann für Patienten mit Reizdarm tatsächlich eine sinnvolle Behandlungsalternative sein. Inzwischen ist die Wirksamkeit der medizinischen Hypnose in der Therapie des Reizdarmsyndroms (RDS) wissenschaftlich belegt. Die Bauchhypnose gilt heute als anerkannte medizinische Entspannungstechnik, die ihre Effektivität im Rahmen verschiedener wissenschaftlicher Studien unter Beweis gestellt hat, wobei eine gewisse Einschränkung gilt: Auch die Hypnose ist kein Allheilmittel für RDS. Bei immerhin etwa zwei von drei Patienten führt die Hypnose zu einer starken Reduzierung der Beschwerden und einer erheblichen Steigerung des subjektiven Wohlbefindens. Für Betroffene, die schlecht oder gar nicht auf medikamentöse oder andere Therapien reagieren, lohnt sich der Versuch in jedem Fall. Grundsätzlich ist die Bauchhypnose immer eine prinzipiell nebenwirkungsfreie Option, die auch parallel zu anderen therapeutischen Maßnahmen wie der Anwendung von Medikamenten oder Einnahme von Probiotika durchgeführt werden kann.

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Hypnose – wirksamer als Psychotherapie

Der Einsatz einer spezifischen Bauchhypnose zur Behandlung von Reizdarm- oder Reizmagenbeschwerden wurde erstmals in den 1980er Jahren in England entwickelt. Die Ärzte aus Manchester gingen damals von der Vermutung aus, dass hinter Reizdarm-Beschwerden häufig psychosomatische Ursachen stehen. Entsprechend behandelte die Arbeitsgruppe um Prof. Peter Whorwell Patienten mit schwerem RDS, das auf andere therapeutische Maßnahmen nicht ansprach, entweder mit Hypnotherapie oder mit Psychotherapie. Den Hypnosepatienten wurde im Rahmen von 12 Sitzungen unter anderem suggeriert, dass ihr Magen-Darm-Trakt ruhig und rhythmisch funktioniert und sie wieder die Kontrolle über ihre Verdauung übernehmen. Dadurch wurden nicht nur die Schmerzüberempfindlichkeit des Magen-Darm-Traktes, sondern auch die Darmbewegungen positiv beeinflusst und beruhigt: Zur Überraschung der Wissenschaftler konnte die Hypnotherapie Bauchschmerzen, Blähungen und das generelle Wohlbefinden bei ca. zwei Drittel der Patienten deutlich bessern. Psychotherapie zeigte ebenfalls signifikante Wirkung, die allerdings wesentlich schwächer als bei den Hypnose-Patienten war. Wie Nachuntersuchungen zeigten, hielt der Erfolg der Hypnotherapie über Monate an. Inzwischen liegen weltweit gut zwei Dutzend Studien vor, die alle zu ähnlichen, positiven Ergebnissen kommen, was unter anderem dazu geführt hat, dass die Hypnose in den Leitlinien zur Behandlung des Reizdarmsyndroms (RDS) von der britischen, der deutschen und der US-Amerikanischen gastroenterologischen Gesellschaft empfohlen wird. In Einzelfallberichten und Fallserien wurde übrigens auch eine Wirksamkeit der Bauchhypnose bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn. Colitis ulcerosa) beschrieben.

Wirkung über Darm-Hirn-Achse

Einen Grund zu der Annahme, dass Hypnose oder psychotherapeutische Verfahren beim RDS helfen könnte, lieferten den Ärzten in Manchester auch erste Erkenntnisse über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Darm und Gehirn. Verdauung und Nervensystem stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in ständigem Austausch. Zwischen Darm und Hirn werden permanent Nervensignale gesendet, die uns unter anderem signalisieren, wann wir hungrig sind oder wann wir zu viel gegessen haben – um nur zwei von zahllosen Verbindungen zu nennen. Andererseits hat unser seelisches Befinden auch einen direkten Draht zur Verdauung: So kann plötzliche Angst einen Stuhldrang auslösen und Stress kann zu Übelkeit führen. Insbesondere beim Reizdarm-Syndrom lösen oft bereits minimale psychische Reize starke Darmaktivitäten aus. Bauchschmerzen, häufiger Stuhldrang und anhaltendes Völlegefühl können die Folgen sein, die den Alltag der Patienten belasten. Auch dauernde innere Anspannung kann bei Reizdarm-Patienten zu Bauchschmerzen, Durchfall und Völlegefühl führen – was wiederum die Anspannung erhöht und so einen Teufelskreis auslöst, der nur schwer zu durchbrechen ist. Hier setzt die Darmhypnose an: Sie macht sich die direkte Verbindung von Kopf und Bauch zu Nutze, indem sie verschiedene Suggestionen kombiniert, die das Selbstbewusstsein stärken und die Darmaktivität mit Bildern verbinden, die sich im Unterbewusstsein verankern. Stärkende Suggestionen beruhigen die Nerven, die für die gesteigerte Empfindlichkeit von Magen und Darm verantwortlich sind. Ziel der Hypnose ist es, dass Betroffene die Kontrolle über ihre eigenen Körperfunktionen, auch über die Darmfunktionen, wiedererlangen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass ein Reizdarmsyndrom (RDS) bei immerhin 50% der Erkrankten mit Depressionen und Angststörungen einhergeht.

 
 
 

Hypnose – wie geht’s in der Praxis

Interessierte finden inzwischen eine Vielfalt hypnotherapeutischer Programme für RDS-Patienten. Sie alle gehen auf zwei Ursprungsversionen zurück, die im Rahmen der ersten Studien entwickelt wurden, die bis heute noch immer am häufigsten angewendet werden: das Manchester-Protokoll, bestehend aus 12 aufeinander aufbauenden, bis zu einstündigen Hypnose-Sitzungen und das North-Carolina-Protokoll aus sieben Behandlungseinheiten innerhalb von drei Monaten. Ziel ist dabei: 

  • die Fixierung der Aufmerksamkeit auf die Beschwerden zu verringern
  • die Bauch-Wahrnehmungen in Richtung auf mehr positive Empfindungen zu lenken
  • ein positives Lebensgefühl und die Gesundheit zu intensivieren
  • die Empfindlichkeit des Darmes für Störungen zu reduzieren und
  • die natürliche Darmfunktion und den Verdauungsrhythmus wiederherzustellen


In der Hypnose wird, neben allgemeiner Entspannung und Trance, mit inneren Bildern und Metaphern (Geschichten) gearbeitet. Im Zentrum der klassischen Darmhypnose steht immer der persönliche Kontakt zwischen Patient und Therapeut. Inzwischen gibt es allerdings auch Angebote, die ganz auf Selbstanwendung mittels audiovisueller Hilfsmittel (CDs) setzen. Grundsätzlich werden Audio-Aufnahmen der Hypnose-Übungen als wichtige Hilfsmittel eingesetzt, um die Übungen auch zu Hause zu ermöglichen. Im Übrigen bietet sich die Hypnose insbesondere auch für Kinder mit Reizdarmsyndrom als nebenwirkungsarme und entspannende Therapiemöglichkeit an, z.B. in Form von Phantasiereisen und -geschichten.



Dr. Friedhelm Mühleib

 
 

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