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Reizdarm: Erste Erfolge auf der Suche nach den Ursachen

Für Reizdarmpatienten ist der Weg bis zur sicheren Diagnose ihrer Erkrankung noch immer beschwerlich und lang. Bis heute ist das Reizdarmsyndrom (RDS) eine Ausschlussdiagnose: Erst, wenn die verschiedensten organischen Ursachen durch die entsprechenden Untersuchungen ausgeschlossen sind, stellen die Mediziner die Reizdarmdiagnose. In erster Linie liegt das daran, dass die eigentlichen Auslöser der Krankheit bis heute nicht erforscht sind. Noch immer sind keine Biomarker bekannt, an denen sich die Existenz des Reizdarmsyndroms festmachen ließe. Ein internationales Team unter maßgeblicher Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) hat nun erste Hinweise auf organische Auslöser der Erkrankung geliefert, wie im Fachjournal „Public Library of Science“ (PLOS) nachzulesen ist.

tum
 

Enterales Nervensystem – am RDS ursächlich beteiligt

Über acht Jahre hat das interdisziplinäres Team unter Beteiligung mehrerer europäischer Kliniken unter Leitung von Prof. Michael Schemann vom Lehrstuhl für Humanbiologie der TUM an einer Nachweismöglichkeit des Reizdarm-Syndroms aufgrund einer organischen Veränderung geforscht. Das Ziel der Forscher war es, so Schemann, „einen Biomarker zu finden, der ein Reizdarm-Syndrom, zumindest bei einer bestimmten Patientengruppe, anzeigt.“ Dabei gingen die Wissenschaftler von der Erkenntnis aus, dass die Nerven in der Darmwand eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Reizdarmsyndroms spielen. Bei Menschen mit RDS ist die Aktivität der Nerven in der Darmwand verändert. Ausgelöst wird diese Veränderung durch Botenstoffe, die insbesondere in der Darm-Schleimhaut freigesetzt werden. Das brachte die W. auf die Idee, zum einen bei Rdpatienten und zum anderen bei gesunden Personen Schleimhautproben zu entnehmen und daraus Gewebsflüssigkeit – den sogenannten ‚Überstand‘ – zu isolieren. Tatsächlich lösten Schleimhautbiopsie-Überstände von Reizdarm-Patienten eine erhöhte Nervenaktivität aus, während Überstände von gesunden Probanden keinerlei Wirkung zeigen.

Suche nach der Nadel im Hauhaufen

Im nächsten Schritten konnten die Forscher konnten nachweisen, dass die nervenaktivierende Wirkung der Reizdarm-Überstände im Wesentlichen durch bestimmte Proteasen vermittelt wird. Proteasen sind Enzyme, die Eiweißmoleküle (Proteine) im Darm spalten können. Parallel dazu fanden die Wissenschaftler heraus, dass Reizdarm Patienten sowohl über ein spezifisches Proteinmuster, als auch ein typisches Proteaseprofil verfügen. Die anschließende genaue Bestimmung der verantwortliche Proteasen gestaltete sich für die Forscher wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Dank einer noch relativ neuen Technik, der Proteomanalyse*, gelang es ihnen schließlich, aus einer Vielzahl potenzieller Substanzen vier Proteasen zu finden und zu definieren, die ausschließlich in den Überständen von Reizdarmpatienten erhöht waren.

*Proteomanalyse ist eine Technologie zur quantitativen Analyse der zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter festgelegten Bedingungen in einer Zelle, in einem Organismus oder in einer komplexen Körperflüssigkeit vorhandenen Eiweißsubstanzen.

Proteasen – Schlüssel zur Entstehung des RDS?

Zuletzt experimentierte das Team mit einem Proteasehemmer – also mit einer (natürlichen) Substanz, die Eiweiß spaltende Enzyme wie z.B. Proteasen hemmt bzw. unwirksam macht. Der Proteasehemmer, den sie verwendeten, stammte aus einem probiotischen Bifidobacterium. Tatsächlich konnte der ‚Proteasen-Killer‘ die durch den Reizdarm-Überstand ausgelöste Nervenaktivierung blockieren. Nicht zuletzt lieferte dieser Versuch damit einen wertvollen Hinweis auf eine mögliche zentrale Rolle probiotisch wirksamen Bakterien in der Therapie des Reizdarmsyndroms. „Zusammenfassend können wir sagen, dass das Proteasen-Profiling eine vielversprechende Strategie zur Entwicklung von Reizdarm-Biomarkern ist“, resümiert Schemann die neuen Erkenntnisse. „Sie stellen weitere Hinweise für definierte organische Ursachen des Reizdarmsyndroms dar.“


Dr. Friedhelm Mühleib

 

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